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DAS GESICHT HINTER FREUDENREICH – EIN GESPRÄCH MIT EVA-MARIA HEIMEL

Darf ich vorstellen: Das Gesicht hinter FREUDENREICH - ein Gespräch mit der Gründerin

Das Jahr 2020 ist eine besondere Herausforderung für uns alle. Doch schwierige Zeiten eröffnen auch neue Wege und Möglichkeiten. So startete Eva-Maria Heimel gerade heuer ihren Onlinemarktplatz FREUDENREICH, eine Plattform für ausgewähltes Interior und Accessoires. Die gebürtige Salzburgerin kann aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen: Sie ist studierte Erziehungswissenschaftlerin, ausgebildete Organisationsentwicklerin und hat gleich zu Anfang ihrer Karriere berufsbegleitend ein Sales- und Marketingstudium an der Wirtschaftsuniversität in Wien absolviert. Zuletzt leitete sie die Personal- und Organisationsentwicklung eines führenden österreichischen Sporthändlers, der mit 3.000 Mitarbeitern in sieben Ländern vertreten ist.

Frau Heimel, schaut man sich ihren Lebenslauf an, fragt man sich unweigerlich warum Interior? Ist das nicht ein Bruch zu Ihren bisherigen Tätigkeiten?

Tatsächlich werde ich das immer wieder gefragt, dabei ist das für mich die logische Konsequenz meiner bisherigen beruflichen Laufbahn. Wenn man sein Handwerk gelernt hat, ist es doch eigentlich unerheblich für welches Thema man sein Know-how einsetzt. Ob nun wie in der Vergangenheit in der Sportartikel- oder eben jetzt in der Interior-Branche. Ich bin in der Organisationsentwicklung zu Hause. Das heißt meine Stärke liegt in der Konzeptentwicklung, seiner Vermarktung und der begleitenden Umsetzung.
 
Hier geht es darum Strategien zu entwickeln, Prozesse zu begleiten und betroffene Menschen zu Beteiligten zu machen. Dabei hilft mir meine systemische Coaching-Kompetenz und auch Trainerausbildung sehr. Besonders stolz macht mich ein ganz neues Projekt, bei dem mich eine Kundin um die Begleitung bei ihrer Neuausrichtung, einem sogenannten Change Prozess, wie wir das in der Organisationsentwicklung nennen, gebeten hat. Interior ist hingegen meine persönliche Leidenschaft. Es war einfach an der Zeit beides miteinander zu verbinden. 

Und das wagen Sie ausgerechnet in einem so schwierigen Jahr wie diesem?

Dass es ausgerechnet ein so kontroverses Jahr werden würde, konnte natürlich niemand voraussehen. Tatsächlich habe ich den Namen FREUDENREICH bereits vor zehn Jahren schützen lassen. Ich hatte also schon lange eine Vision, etwas mit FREUDE machen zu wollen. Die Idee daraus eine “World of Interior Design” zu erschaffen, wurde erst viel später geboren.

Die Plattform an sich gibt es bereits seit Mitte 2019. Die Ausrichtung auf einen gemeinsamen Marktplatz war von Anfang an so geplant und mit allen beteiligten Händlern auch so abgesprochen. Jetzt ist ganz aktuell noch der FREUDENREICH-Shop online gegangen. 
 
Durch die aktuell weltweite instabile Situation verlagerten sich die Umsätze in diesem Jahr besonders stark in Richtung Onlinehandel. So gesehen war es also gewissermaßen genau der richtige Zeitpunkt heuer damit durchzustarten. 

Trotzdem ganz schön mutig...

Ehrlich gesagt… Ja, das finde ich auch. Und es gab und gibt nach wie vor viele Momente, in denen ich mich und auch das Projekt FREUDENREICH hinterfrage. Allerdings kommt am Ende meiner Überlegungen immer wieder dasselbe heraus: Es ist richtig! Es ist sinnvoll! Und ich muss es tun! So gesehen bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterzumachen. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem Händler, Hersteller und Designer beginnen auf mich zuzukommen.

In Zeiten, in denen mich der Mut verlässt, erinnere ich mich zurück an eine gemeinsame mehrmonatige Südamerika-Reise mit meiner Schwester. Das war 2001 und noch bevor wir beide Kinder hatten. Wir sind in Bolivien mit Mountainbikes die gefährlichste Straße der Welt – den Camino de la Muerte – von La Paz hinunter in den Regenwald gefahren. Das war mutig. Der Gedanke daran relativiert dann wieder so einiges. 

Jetzt Mut zu zeigen heißt, mehr als alle anderen an mich und das Konzept zu glauben.

Wie meinen Sie das?

Dass es auf dem Weg immer wieder Widerstände und Rückschläge gibt. Rückblickend kann ich aber ganz klar sagen, dass ich alle meine bisherigen beruflichen Stationen, ebenso meine persönlichen, oft herausfordernden Erfahrungen und die Erkenntnisse aus dem ersten FREUDENREICH Jahr gebraucht habe, um dieses Projekt so umsetzen zu können. Und mit einer Vision ist es ja noch lange nicht getan. Man braucht eine gehörige Portion Gründermentalität und eine gewisse Risikobereitschaft.

Wäre das aber nicht einfacher in Ihrem bisherigen Job mit dem Rückhalt eines großen Unternehmens gewesen?

Meiner Erfahrung nach entsteht Innovation nicht durch finanzielle Sicherheit oder womöglich sogar Abhängigkeit. Sondern durch Freiraum und der Notwendigkeit sich neu zu erfinden. Und das Buch, das ich gerade lese – THE ONE THING – bestätigt, dass es sogar erfolgsentscheidend ist, sich auf nur eine Sache zu konzentrieren und diese mit Ausdauer und Konsequenz zu verfolgen. So gesehen hätte ich dieses Projekt niemals “nebenbei” stemmen können.
 
Dass es bevorstehende Aufgaben im Einzelhandel gibt, war doch schon länger sichtbar. In der Organisationsentwicklung spricht man von der “durchscheinenden Zukunft”, die heuer durch die Covid19-Pandemie noch deutlicher wurde. Die Themen und Probleme des Handels können am besten analysiert und gelöst werden, wenn man nicht IM, sondern AM System arbeitet. Die Antwort auf die Frage lautet also klar: Nein. Es wäre nicht einfacher gewesen. Es wäre einfach nur ein Plan B geblieben.

Mit Ihrem Konzept den Einzelhändler zu stärken, gehen Sie einen komplett anderen Weg, als andere, die den sogenannten "man in the middle" am liebsten ausschalten. Warum?

Genau hier liegt doch die Chance: In der Verbindung zwischen online und offline. Die bei FREUDENREICH angebotenen Produkte sind durchwegs sehr hochwertig. Online kann man wunderbar stöbern und sich vorab informieren und natürlich auch bestellen. Wer aber Beratung benötigt, sich das Sofa, die Lampe oder den Kerzenständer live ansehen möchte, kann jederzeit direkt im Geschäft vor Ort vorbeischauen. Mir ist die Zusammenarbeit mit den Händlern sehr wichtig, dass hinter den Produkten immer ein Gesicht zu sehen ist.
 
Außerdem funktioniert es in der Realität nicht immer ganz so einfach. Nicht nur bei der Beratung, sondern auch bei Reklamationen ist man froh einen Ansprechpartner zu haben. Selbst Unternehmen, die am Händler vorbei direkt an den Endkunden verkaufen, kommen wieder auf diese zu, wenn es zum Beispiel um den Einbau eines Elektrogeräts geht. Das sollte dann doch vom Händler vor Ort verbaut werden.

Oder wenn ich ein Sofa bei einem deutschen Onliner bestelle und etwas zu reklamieren habe, kümmert sich bei einem Markenprodukt der österreichische Ansprechpartner darum. Ganz ohne geht´s offenbar doch nicht immer. Außerdem – bis dato noch gar nicht erwähnt – finde ich Städte und Ortschaften mit teilweise verwaisten Geschäftslokalen oder den immer gleichen Ketten nicht besonders einladend. 

Ist die Planung für FREUDENREICH aktuell damit abgeschlossen?

Nein, überhaupt nicht. Nachdem der Start mit über 20 Händlern schon recht gut angelaufen ist, wird das Angebot natürlich permanent erweitert. Bis dato sind die Händler zwar präsent, aber nicht alle haben Produkte online. Das wird jetzt laufend mehr. Außerdem bauen wir Beziehungen mit Interior Designern auf, die das FREUDENREICH Netzwerk und die Plattform für sich nützen möchten. Wichtig ist mir dabei immer ein lokaler Bezug. Nicht alles muss und kann in Österreich hergestellt werden. Aber es soll immer eine Wertschöpfung im Land bleiben. Auf alle Fälle kommt in Zukunft sicherlich noch einiges hinzu

Wo oder wie wohnen Sie eigentlich?

Schön finde ich. Eigentlich mitten in der Stadt Salzburg und doch im Grünen. Man sagt ja immer, dass es drei Dinge gibt, die entscheidend sind: Lage, Lage, Lage. Und hier hatte ich wirklich Glück mit einer schönen Wohnung im Stadtteil Morzg. Eine Pferdekoppel vor der Türe und einem wunderbaren Ausblick auf den Untersberg.
 
Und was die Einrichtung betrifft: Ich wohne in keiner “Designerwohnung”, wenn Sie das vermuten. Sondern mit Möbelstücken, die mich schon länger begleiten, auch mal mit Ikea-Möbel und dann wieder schönen Designer-Einzelstücken, sowie Handgemachtes vom Tischler. Mein Lieblingsmöbel ist ein chinesischer Hochzeitsschrank, den ich vor über 20 Jahren in meiner Zeit in Wien gekauft habe und der mich seither begleitet. Mein Vater, ursprünglich gelernter Tischler, findet ihn mit zwinkerndem Auge “unmöglich”, weil er nicht seinen handwerklichen Qualitätsmaßstäben entspricht, aber ich schaue ihn immer noch gerne an. Und ich denke, so darf das mit Möbelstücken auch sein. Sie sollen diejenigen glücklich machen, die damit leben.

Und Ihre persönlichen Pläne für die Zukunft?

In zehn Jahren ist mein heute 14-jähriger Sohn ein Eishockey-Profi, FREUDENREICH ist ein großer Online-Interior-Händler mit einer Community an Interior Designern, die zu Ihrer Beratungsleistung auch FREUDENREICH Produkte anbieten, stationäre Händler konzentrieren sich auf Ihr Kerngeschäft und erleben den Online-Verkauf einfach und als Bereicherung. Und ein renommiertes Interior-Magazin veröffentlicht eine Homestory über mich (lacht).
 
 
Das wünsche ich Ihnen! Vielen Dank für das Gespräch!